Viele stationäre Möbelhändler hinken digital hinterher

Die Möbelbranche ist im Umbruch. Vielen inhabergeführten Möbelhändlern droht das Aus, wenn sie weiter digital hinterherhinken.

Kannst Du Dich noch an die Zeit erinnern, als Du nahezu alle Bücher und Druckerzeugnisse in der Buchhandlung Deines Vertrauens gekauft hast? Doch irgendwie kamen nach und nach neue Player auf den Markt, die ihre Produkte online angeboten haben. Viele der teils seit Generationen existierenden Unternehmen verpassten den digitalen Wandel. Marktführer von gestern kämpfen heute ums Überleben oder sind bereits ganz vom Markt verschwunden.

Ähnlich hatte es sich beispielsweise auch in der Textil- und Schuhbranche in den letzten Jahren zugetragen. Zalando und Co. haben bereits vor Jahren zu einem Umdenken in der Branche geführt und natürlich blieben auch hier viele Unternehmen auf der Strecke.

Steht der Möbelbranche Ähnliches bevor? Viele Anzeichen sprechen dafür, auch wenn es natürlich trotz allen Online-Akteuren in der Möbelbranche auch zukünftig immer einen festen Platz für den stationären Möbelhandel geben wird. Das Probesitzen der Couch oder die Begutachtung der neuen Küche lassen sich eben nicht komplett durch einen noch so guten Onlineshop ersetzen. Obwohl der Trend langsam auch schon zum Onlinekauf von Küchen und Wohnlandschaften geht. Aktuell nehmen jedoch noch kleinere Gegenstände im Bereich Einrichten und Wohnen den Großteil im Onlinehandel ein. Noch…

Home24 geht einen anderen Weg und eröffnet Outlet-Store in Berlin

Der Online-Möbelhändler Home24 hingegen eröffnet in Kürze seinen ersten Outlet-Store. Berliner können dann im Ortsteil Prenzlauer Berg Möbel von Home24 offline einkaufen.
Natürlich in Berlin, schließlich ist Home24 ein Berliner Unternehmen. Der Fokus von Home24 wird aber auch weiterhin der Onlinehandel bleiben.

Screenshot Startseite Home24.de vom 20.04.2016

Screenshot Startseite Home24.de

Dass Home24 sich weiter auf den Onlinehandel fokussiert ist nahezu logisch, schließlich sind die Investoren bzw. Hauptaktionäre von Home24, darunter unter anderem Rocket Internet, nicht gerade bekannt für Investitionen im stationären Handel.

Harte Zeiten für stationäre Möbelhändler

Eine ganze Branche, nämlich die Möbelbranche, bangt gewissermaßen um ihre Zukunft. Und das nicht erst seit gestern. Noch schlimmer ist jedoch, dass viele Möbelhändler anscheinend noch immer nicht richtig im digitalen Zeitalter angekommen sind. Schließlich ist es kein erst seit gestern oder vorgestern auftretendes Phänomen, dass der gemeine Kunde mehr und mehr online einkauft. Und das gilt auch für den Möbelbereich. Anders ließe es sich auch nicht erklären, dass Online-Möbelhändler wie zum Beispiel Home24 und Moebel.de boomen und teils deutliche jährliche Umsatzsteigerungen präsentieren. Bei Home24 nebenbei erwähnt aktuell knappe 65 Prozent Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr. Ok, der Verlust hat etwa in ähnlichen prozentualen Dimensionen zugenommen, aber das ist eine andere Baustelle.

Festzuhalten bleibt aber, dass sich der Trend weiter fortsetzen wird und das wiederum bedeutet, dass es für den stationären Möbelhändler sicherlich nicht einfacher wird in der Zukunft. Und fortlaufend kommen weitere Akteure im Online-Möbelmarkt hinzu. Bereits jetzt gibt es so viele Onlineshops für Möbel aller Art, da kann man schon schnell mal einen Akteur vergessen. Spontan fallen mir 123moebel.de und gartenmoebel.de ein, die Liste ließe sich aber auf jeden Fall deutlich länger gestalten.

Während viele stationäre Möbelhändler noch immer an ihrem zukünftigen Konzept des eCommerce basteln kommt nun auch noch Home24 daher und eröffnet einen Outlet-Store in der Hauptstadt. Dieser Schritt hatte sich aber bereits Ende letzten Jahres angekündigt, als Home24 im November 2015 den Konkurrenten Fashion For Home übernommen hatte. Natürlich hat ein einzelner Store von Home24 absolut keine Auswirkungen auf Möbelhändler in Hamburg, München oder Buxtehude. Ich finde es vielmehr klasse, wenn ein Online-Möbelhändler den umgekehrten Weg einschlägt, während bereits im April 2015 sehr deutlich darauf hingewiesen wurde, dass der Möbelhandel in Deutschland im Onlinebereich alles andere als optimal aufgestellt ist.

Inhabergeführte Möbelhändler besonders vor dem Aus gefährdet

Wie auch schon in der Buchbranche und Textilbereich sind es vor allem die mittelständischen inhabergeführten Unternehmen, die von dem Wandel in der Möbelbranche betroffen sind. Im schlimmsten Fall könnte tausenden Akteuren der Bereiche Möbel und Einrichtung innerhalb der nächsten Jahre das Aus drohen.

Wenn ein inhabergeführter Möbelhändler auf der einen Seite stolz sein 125-jähriges Bestehen feiert und dies natürlich auch über diverse Kanäle online und offline mitteilt, dann ist das natürlich eine Top-Leistung. Heutzutage schaffen es einige Unternehmen nicht einmal ein einziges Jahr am Markt zu bleiben und verschwinden nach spektakulärem Markteintritt still und leise irgendwo im Nirgendwo. Wer also auf eine so lange Historie zurückblicken kann hat demnach die letzten Jahre etwas richtig beziehungsweise nicht alles komplett verkehrt gemacht. Aber Auswahl, Qualität und Preis im Möbelgeschäft können noch so gut sein. Wenn jedoch kein Onlineshop vorhanden ist und die Unternehmenshomepage rund 12 Monate nach Google´s Mobile Friendlyness und entsprechender Berichterstattung noch immer nicht responsive ist, dann läuft da meiner Meinung nach etwas ganz gehörig falsch.

Haben viele Händler möglicherweise die Bedrohung durch Home24 und den zahlreichen anderen Online-Möbelhändlern noch nicht erkannt? Das ganze aussitzen und auf bessere Zeiten hoffen wäre jedenfalls nicht die optimale Lösung.

Und was machen Ikea & Co?

Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen bei Ikea und anderen Branchengrößen wie Möbel Höffner und Roller, die natürlich seit Jahren im eCommerce aktiv sind und teils clevere Omnichannel-Lösungen realisiert haben.

Screenshot Startseite hej.de vom 20.04.2016

Screenshot Startseite hej.de

Ikea bietet beispielsweise mit zusätzlichen Pick-up-Points zusätzliche Abholstationen. Kunden können hier online bestellte Produkte abholen. Und auch hej.de, das begehbare Wohnmagazin von Ikea, ist auf jeden Fall ein weiteres Indiz dafür, dass man bei Ikea auf jeden Fall im digitalen Zeitalter angekommen ist.

Die Möbelbranche der Zukunft wird also nicht aus schwarz oder weiß bestehen, oder besser gesagt nicht nur online oder nur offline. Unternehmen, die sich jedoch den neuen Herausforderungen nur halbherzig stellen werden auf kurz oder lang auf der Strecke bleiben. Das gilt auch für Unternehmen, die schon seit über 100 Jahren bestehen.

 

Hi, ich bin Christian und lebe in Kiel im schönen Bundesland Schleswig-Holstein. Hier schreibe ich größtenteils über die Themen Marketing, Börse, Reisen und Urlaub.

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